Verfügbare Einkommen

Steuerpolitik im Dienst der Oberschicht

Die meisten Kantone und der Bund senkten in den letzten dreissig Jahren die Steuern. Dabei entlasteten sie die Einkommen jedoch höchst unterschiedlich. Ein Topverdiener mit einer Million Jahreslohn zahlt dank der Steuergeschenke heute im Durchschnitt stolze 56‘000 Franken weniger an die öffentliche Hand als noch 1984. Davon kann die grosse Mehrheit nur träumen. Eine alleinstehende Arbeitnehmerin mit 75‘000 Franken Jahreslohn musste 2014 nur 0.4 Prozent oder 310 Franken weniger versteuern als vor dreissig Jahren.

Prämienanstieg trifft Familien mit voller Wucht

Die Krankenkassenprämien sind in den letzten Jahren extrem stark gestiegen. Die Prämienverbilligungen wurden jedoch in der gleichen Zeit nur wenig erhöht. Deshalb treffen die gestiegenen Prämien Familien und Geringverdiener fast ungebremst. Eine Familie mit zwei Kindern und tiefem Einkommen zahlt heute einen doppelt so hohen Anteil des Einkommens für die Krankenkassenprämien – trotz Prämienverbilligung. Die Topverdiener traf die Erhöhung viel weniger, denn die Prämien machen nur einen sehr kleinen Teil ihres Einkommens aus.

Politik gleicht Einkommensunterschiede kaum aus

Die Umverteilung in der Schweizer Steuer- und Abgabepolitik ist nur sehr schwach. Zwar sind die direkten Steuern progressiv (höhere Einkommen haben höheren Steuersatz) ausgestaltet, die Krankenkassenprämien und indirekten Steuern sind aber grösstenteils einkommensunabhängig. Deshalb bezahlt ein Alleinstehender mit 3‘000 Franken Monatslohn über ein Drittel (35%) seines Lohns für Steuern und Abgaben. Die Belastung für eine Person mit 20‘000 Franken Lohn ist mit 43% nicht viel höher.

Weniger zum Leben wegen Steuer- und Abgabepolitik

Die Steuer- und Abgabepolitik der letzten Jahre hat in der Summe die Ungleichheit verstärkt. Tiefe und mittlere Einkommen haben wegen dieser Politik heute weniger zum Leben. Gleichzeitig profitierten die Topverdiener von grosszügigen Steuergeschenken. Dies bedeutet auch, dass die Mehrheit der Bevölkerung einen immer höheren Teil der öffentlichen Leistungen finanziert, während die Grossverdiener aus der Verantwortung genommen werden. Dies widerspricht dem Prinzip der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.

Quellen und Links
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