Löhne und Einkommen

Die Lohnungleichheit nahm in der Schweiz bis zur Finanzkrise stark zu. Die höchsten Löhne stiegen um fast 50 Prozent, während die tiefen und mittleren Löhne nicht mal halb so viel zulegen konnten. Ein Absacken der Tieflöhne konnte aber dank Mindestlohnkampagnen und Fortschritten bei den Gesamtarbeitsverträgen verhindert werden. Die Ungleichheit bleibt aber weiterhin hoch. Tieflöhnerinnen und Tieflöhner müssen rund 10 Mal länger arbeiten, um auf denselben Lohn zu kommen wie die TopverdienerInnen im obersten Prozent. Seit 2016 kamen zudem die tiefen und mittleren Löhne verstärkt unter Druck, für eine Mehrheit der Arbeitenden resultierte ein Reallohnverlust.

Die Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern wurde in den letzten Jahren kleiner, insbesondere was die Stundenlöhne anbelangt. Weil Frauen aber viel häufiger Teilzeit arbeiten (müssen), sind ihre effektiven Löhne immer noch sehr tief. Die Hälfte aller erwerbstätigen Frauen hat einen Monatslohn von weniger als 4’330 Franken.

Die Einkommensungleichheit ist insgesamt seit den 90er-Jahren angestiegen. Das oberste Prozent der Bevölkerung bezieht rund 11 Prozent aller Einkommen. Im europäischen Vergleich liegt die Schweiz damit im Mittelfeld.

Lohnschere weiterhin weit offen

Lohnschere weiter offen

Oberste Löhne ziehen davon, Tieflöhne stagnieren

Oberste Löhne ziehen davon - Tieflöhne stagnieren

Zwischen 1996 und 2018 sind die Stundenlöhne des obersten Prozents um 48 Prozent gestiegen, die Stundenlöhne der tiefsten 10 Prozent hingegen nur um 17 Prozent (Privatwirtschaft, preisbereinigt).

Die Schere zwischen tiefen bzw. mittleren Löhnen und Topeinkommen öffnete sich vor allem vor der Finanzkrise, seither blieb das Verhältnis ungefähr konstant. Das heisst aber auch: die Ungleichheit bleibt weiterhin hoch. Tieflöhnerinnen und Tieflöhner müssen rund 10 Mal länger arbeiten, um auf denselben Lohn zu kommen wie die TopverdienerInnen im obersten Prozent. Auch die Ungleichheit unter den Arbeitnehmenden mit den höchsten Löhnen ist gross. Zehn Prozent der Arbeitnehmenden erhalten einen Monatslohn von 11’300 Franken oder mehr. Das oberste Prozent verdient aber mindestens 2.2-mal so viel, die obersten 0.1 Prozent mindestens 6-mal mehr.

Immer mehr Lohnmillionäre

Der Anstieg der sehr hohen Löhne spiegelt sich auch in der Zunahme der Arbeitnehmenden wider, die mehr als eine halbe beziehungsweise mehr als eine Million Franken im Jahr beziehen. In den «Boomjahren» zwischen 1996 und 2000 sowie zwischen 2002 und 2008 vervierfachte sich die Zahl der Lohnmillionäre von rund 600 auf über 2’800. Nach einem Einbruch in Folge der Finanzkrise wächst die Zahl der Topverdienenden weiter, wenn auch langsamer als vor der Krise.

Immer mehr Lohnmillionäre

 

Die Hälfte der Frauen erhält weniger als 4’330 Franken pro Monat

Grafik: Die Hälfte der Frauen erhält weniger als 4330 Franken im Monat

Die Frauenlöhne haben in den letzten Jahren gegenüber den Männerlöhnen aufgeholt. Der mittlere Stundenlohn der Frauen lag 2018 noch 11.5 Prozent tiefer als derjenige der Männer, gegenüber 16.6 Prozent zehn Jahre zuvor. Der gesamte Lohnunterschied – wenn man also auch berücksichtigt, wieviel bezahlt gearbeitet wird – ist immer noch beträchtlich. Weil Frauen viel häufiger Teilzeit arbeiten, verfügen sie über deutlich tiefere Einkommen. So erhält die Hälfte der Frauen einen Monatslohn von brutto weniger als 4’330 Franken. Ein Viertel aller Frauen erhält sogar nur knapp 2’600 Franken pro Monat.

Ein wichtiger Grund für die tiefen Einkommen der Frauen ist die Tatsache, dass Frauen immer noch den Grossteil der Betreuungs- und Hausarbeit leisten und damit viel häufiger Teilzeit arbeiten (müssen) als Männer. Zählt man bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammen, so arbeiten Frauen und Männer etwa gleich viel, je rund 50 Stunden pro Woche. Frauen arbeiten aber fast 30 Stunden pro Woche unbezahlt, während das Verhältnis bei den Männern gerade umgekehrt ist (18h unbezahlt, 33h bezahlt).

Krass ist auch der Lohnunterschied bei den Topverdienenden. Hier spielt Teilzeit kaum eine Rolle, vielmehr widerspiegelt sich die Tatsache, dass Frauen in hochbezahlten Managementpositionen immer noch stark untervertreten sind. So verdient das bestbezahlteste Prozent der Frauen nur rund halb so viel wie das bestbezahlteste Prozent der Männer.

Mehr fürs einkommensstärkste Prozent

Für die grosse Mehrheit der Haushalte sind die Löhne die wichtigste Einkommensquelle. Ungefähr jeder zehnte Haushalt bezieht hingegen ein Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit. Weitere Einkommensquellen sind Renten oder Ertrag aus Kapitalbesitz. Die nachfolgende Abbildung zeigt für verschiedene Länder, welchen Anteil am Gesamteinkommen das einkommensstärkste Prozent bezieht.

Die Schweiz liegt bei der Einkommensungleichheit im europäischen Mittelfeld. Dennoch ist der Einkommensanteil des obersten Prozents der Bevölkerung auch in der Schweiz gestiegen, seit den 1990er Jahren bis zur Finanzkrise um rund zwei Prozentpunkte. Seither schwankt der Anteil der Top-Einkommen um 11 Prozent aller Einkommen.

Verantwortlich für diese Entwicklung sind vor allem die Löhne, aber auch Einkommen aus Kapital und selbstständigem Erwerb, die bei den Topverdienenden stärker gestiegen sind als in der restlichen Bevölkerung.

Einkommensungleichheit im europäischen Mittelfeld