Vermögen

Wie die Einkommensungleichheit hat auch die Vermögensungleichheit in den letzten Jahren zugenommen. 2016 besassen 1.9 Prozent der Steuerpflichtigen gleich viel Vermögen wie die restlichen 98.1 Prozent zusammen.

Zum Verständnis: Das Reinvermögen entspricht allen steuerbaren Vermögenswerten abzüglich der Schulden. Steuerbare Vermögenswerte sind Geld-, Wertschriften-, Immobilien- und Grundbesitz, aber auch der Besitz einzelner weiterer Wertgegenstände (z.B. Autos oder Kunst- und Schmuckgegenstände). Nicht steuerpflichtig sind Rentenansprüche aus der beruflichen Vorsorge (2. Säule), der gebunden Selbstvorsorge (3. Säule) und der Hausrat. Sie sind deshalb in der Statistik nicht enthalten. Immobilien werden zudem nach einem geschätzten Verkehrswert erfasst. Dieser liegt in der Regel unter dem tatsächlich erzielbaren Marktwert, wodurch die Immobilienvermögen unterschätzt werden.

Vermögen sind sehr stark konzentriert

Die Vermögen sind in der Regel noch ungleicher verteilt als die Einkommen. Für die Schweiz trifft dies besonders deutlich zu. Das reichste Prozent der Steuerpflichtigen besass 2016 über 42 Prozent aller versteuerten Reinvermögen in der Schweiz. Die untersten 90 Prozent – also die grosse Mehrheit der Bevölkerung – besassen zusammen hingegen nur knapp 25 Prozent aller Vermögen.

Grossteil des Kuchens in der Hände weniger

Schweiz bei der Vermögenskonzentration international «Spitze».

Die Pensionskassenvermögen sowie die Vermögen in der freiwilligen Vorsorge 3a sind in der Schweiz steuerfrei und sind deshalb in der Vermögensstatistik der Steuerbehörden nicht berücksichtigt. Es gibt bis jetzt keine Statistik, welche die Verteilung inklusive dieser Vermögen detailliert für die Schweiz aufzeigen kann. In der Abbildung unten wird eine Schätzung von Föllmi und Martínez (2017) für den Vermögensanteil des reichsten Prozents unter Berücksichtigung der Pensionskassenvermögen mit anderen Ländern verglichen. Sie haben dabei allen Steuerpflichtigen das durchschnittliche Pensionskassenvermögen zugeteilt. Natürlich sind aber die Pensionskassenvermögen nicht gleich verteilt. Die AutorInnen schreiben deshalb auch, dass ihre Schätzung eine absolute Untergrenze der Vermögensungleichheit in der Schweiz darstellt. Wenn man sich für den finanziellen Spielraum der erwerbstätigen Haushalte interessiert, ist die Berücksichtigung der Pensionskassenvermögen ohnehin wenig sinnvoll. Über das Pensionskassenkapital kann nicht kurzfristig verfügt werden. Diese Guthaben sind gesetzlich gebunden und dienen der Sicherung des Konsums im Alter.

Zum internationalen Vergleich der Vermögensungleichheit ist die Schätzung von Föllmi und Martínez dennoch hilfreich. Denn die Daten für andere Länder beinhalten in der Regel die für die Altersvorsorge gesparten Vermögen. Selbst mit der unrealistischen Annahme, dass die Pensionskassenvermögen gleichverteilt sind, ist die Ungleichheit in der Schweiz immer noch höher ist als in Grossbritannien und in Frankreich. Die Zunahme der Vermögensungleichheit war ab 2000 etwa ähnlich ausgeprägt wie in den USA. 

Grafik: Vermögen sehr ungleich verteilt